Google integriert Kreise in Gmail und resozialisiert damit die E-Mail-Umgebung
| Autor | René Kulka |
| Datum | 09.12.2011 |
| Medienart | Beitrag |
| Kategorie(n) | Social Media trends |
| Tags | goodmail googleplus |
Mit dem Social Network Google Plus scheint der Suchmaschinengigant einiges richtig zu machen. Die Anhängerschaft wächst stetig. Brav wird für die Gesichtserkennung ein Opt-in eingeholt. Und nicht zuletzt erfährt nun auch der verbreitete Webmailer Gmail eine weitreichende Integration mit den sozialen Kreisen, wie im Gmail-Blog zu lesen ist. Die Veränderungen werden in den nächsten Tagen flächendeckend ausgerollt.
Durch Einkreisen ins Adressbuch
Vor gut zwei Wochen hatten wir schon darauf hingewiesen: Auch durch das Einkreisen auf Google Plus können Werbetreibende in das persönliche Adressbuch (Google Contacts) der Gmail-Newsletter-Abonnenten gelangen. Für E-Mail-Versender ist dies ein sehr wünschenswerter Zustand. Denn dem Spamfilter signalisiert ein solches (White-)Listing unmittelbar vertrauenswürdige und erwünschte Kommunikation. Und das wiederum kann die Zustellquoten stark begünstigen.
Neu bei Gmail ist, dass nunmehr auch die E-Mail-Adressen der eingekreisten Google Plus-Seiten, nicht nur die von privaten Profilen im Kontakte-Verzeichnis landen. Es werden diejenigen Adressen eingetragen, die Seitenbetreiber in der Rubrik „Über mich“ unter „Kontaktinformationen“ einer Seite angegeben haben. Wäre also zu überlegen, dort (auch) die Absender-Adresse des Newsletters einzutragen.
In Bildern:
E-Mail „resozialisiert“
Eigentlich steckt doch viel mehr hinter der Verknüpfung – vielleicht sogar ein Paradigmenwechsel bei der E-Mail. Denn was z. B. mit Google Wave, das am 30.4.12 endgültig eingestampft wird nicht gelang, nämlich die (radikale) Neu-Erfindung von E-Mail, scheint nun als behutsamer Schritt greifbarer. Immerhin ist E-Mail das älteste „soziale Netzwerk“ im Internet. Die Circles im Posteingang und das benachbarte Google Plus holen vielleicht den persönlichen Blick auf die gleichzeitig gehasste und – weil sie so einfach ist – geliebte Inbox zurück. Der ist in den letzten 10 Jahren dank Spam und steigenden E-Mail-Volumina leider mehr und mehr verloren gegangen.
Beispiel: Die E-Mail-Einzelansicht zeigt Avatarbilder der Gegenüber, die uns – wie Studien zeigen – ja „emotional aktivieren“ können. Ebenso erfolgen die Mülltrennung bei der Werbung, die Sortierung nach Themen und die Gruppierung persönlicher E-Mails nach Freundes- und Bekanntschafts-Kreisen kinderleicht und intuitiv. G+-Kreise können, sofern der Einzukreisende nicht bloß eine noreply@-Absender-Adresse besitzt, einfach aus der Inbox erweitert werden und als Filter für die Posteingangs-Ansicht dienen. Ob der Gegenüber Google Plus-Mitglied ist oder nicht spielt keine Rolle – geteilte Inhalte im Netzwerk erhalten Nicht-Mitglieder per E-Mail zugesandt. Vor diesem Hintergrund bekommt die Frage, wie Versender in den „inner circle“ ihrer Abonnenten gelangen, eine neue Dimension. Wer gecircelt wurde, fällt in der Inbox durch das zusätzliche Label auf (Screenshot).
So also, behutsam „resozialisiert“, könnte die E-Mail-Zukunft doch ausschauen. Dies gelang übrigens auch Facebook mit „Messages“ nicht ansatzweise, das vor gut einem Monat immerhin sein Einjähriges „feierte“. Die Zahl der @facebook.com-E-Mail-Adressen konvergiert in fast allen Verteilern immer noch gegen null. Kein Wunder, ist doch die Integration von E-Mail und Facebook eher mau. Von der Usability des Dienstes als E-Mail-Client ganz zu schweigen. (Und MySpace? Implementierte ebenso einen Webmailer. Aber von dem sozialen Netzwerk spricht ja eh keiner mehr.)
“Circle us“
Ich bin gespannt, wie der Roll-out insgesamt anschaut und wie sich Google Plus und Gmail im Zusammenspiel weiterentwickeln. Derweil buhlen stetig mehr E-Mail-Versender auch darum, „eingekreist“ zu werden:
PS: Virale Flyer
Auch interessant: Bilder, die einem Newsletter angehängt wurden, können aus Googlemail heraus nun direkt mit dem Google Plus-Netzwerk geteilt werden. Die Idee “viraler Flyer” bekommt hierdurch neuen Zündstoff:
PPS:
Nicht so prall ist allerdings Googles Idee, Nicht-Mitglieder des Google+-Netzwerks mit Einladungs-E-Mails zu bespammen, sobald diese eingekreist wurden. Facebook ist hierfür vor ziemlich genau einem Jahr von Verbraucherschützern verklagt worden.







